5 Fragen an Robert Landfermann

5 Fragen an Robert Landfermann

2019 & 2020 war Robert Landfermann jeweils auf 10 neuen Jazz-Alben zu hören. Ich freue mich, dass der umtriebige Musiker und Professor für Jazz-Kontrabass an der Musikhochschule in Mannheim Zeit hatte, 5 Fragen für das Jazziversum zu beantworten.

Was macht für dich interessanten aktuellen Jazz aus?

Ich befinde mich gerade im Mare-Künstlerhaus, dem ehemaligen Wohnhaus von Roger Willemsen, der selbst grosser Jazz-Fan war. Und in seinem Sinne und auch ein bisschen mit seinen Worten möchte ich antworten, denn ich glaube er war jemand der den Jazz besser verstanden hat als viele, die ihn praktizieren. Jazz ist eine Erwachsenenmusik und sucht mündige Hörer. Jazz ist eine Musik der Befreiung. Jazz richtet sich an offene Ohren und nicht an welche, die nur hören wollen, was sie schon kennen. Jazz ist allein schon wegen seiner Struktur politisch, er ist demokratisch organisiert und alles Fremde wird willkommen geheißen, verbunden und gemeinsam weitergeführt. Jazz ist eine Kunst der gemischten Gefühle. Alle Kultur, die etwas bedeutet hat mit Anstrengung zu tun. Man muss diese Basis-Anstrengung, sich fordern zu lassen, sich nicht kontinuierlich unterfordern zu lassen, man muss diese Anstrengung schultern. Dann wird man reich beschenkt. Es gibt mir im Jazz zu viel museales, rückwärts gewandtes, restauratives, genau wie in anderen Kunstgattungen seit der Jahrtausendwende. Wichtig: das ist keine Frage der Stilistik, sondern eine Frage der HaltungFür mich macht aktuellen Jazz aus, dass er zwar auf der Tradition fußt, aber der Blick nach vorne gerichtet ist. 


Du nimmst viele Konzerte die du spielst auf. Nach welchen Kriterien hörst du sie dir danach an?

Oft fällt es mir wie Schuppen von den Augen und Ohren, wenn ich ein Konzert nochmal durchgehe. Ich kann das in jeder Übe- oder Konzertsituation empfehlen. Worauf ich im Detail achte ist extrem unterschiedlich. Das kann von meiner Körperwahrnehmung, die in der Hitze des Konzerts schon mal leidet, bis zum kompletten Spannungsbogen eines Konzertes reichen, der vielleicht nicht so aufgegangen ist wie geplant.

Als Bassist kannst du eine reine Begleiterrolle übernehmen und die Band erden. Du kannst auch Einfluss auf das Arrangement nehmen und interagieren. Wie entscheidest du, welche Funktion du gerade übernimmst?

Intuition und Erfahrung helfen mir meine Entscheidungen zu steuern. Kurz gesagt: es geht nicht um mich, meine Rolle oder bewusste Entscheidungen. Sondern um die Musik! Ich probiere das zu finden, was die Musik weiterbringt. Das beinhaltet neben den in der Frage genannten Varianten, auch die Möglichkeit für mehrere Minuten nicht zu spielen. 

Auf was achtest du, wenn du mit einer neuen Rhythmusgruppe zusammen spielst am meisten?

Vor allem, ob meine neuen Mitstreiter*innen „interessanten, aktuellen Jazz“ spielen, s.o.! Gibt es eine Aussage, was wollen wir zusammen zum klingen bringen. In welche Richtung geht es? 

Wie wichtig ist für dich eine bewusste Auseinandersetzung mit „Lay Back“ „On Top“ und „Ahead“ Spielen ? (Falls ja, wie hast du das geübt)

Als erstes probiere ich mit den anderen, bzw der/m Schlagzeuger*in zusammen zuspielen und nicht gegeneinander. Wichtiger als hinten und vorne wäre erstmal der Begriff steady. Was auch wiederum nicht zwingend heißen muss, dass jede Viertel auch wirklich gleich lang ist. Verschiedene Spielhaltungen funktionieren nur mit einem Counterpart, andere nur wenn alle Beteiligten sie zusammen empfinden. Da sind die Möglichkeiten grenzenlos und so vielfältig wie die Menschen, die sie spielen. Üben kann man diese Dinge also am besten zusammen mit Mitspieler*innen. 

Weitere Infos zu Robert Landfermann gibt es auf seiner Webseite.

https://robertlandfermann.com/home.html

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