Begleiten in einer Jazzband mit Klavier und Gitarre

Begleiten in einer Jazzband mit Klavier und Gitarre

Immer wenn in einer Jazzband zwei Harmonieinstrumente besetzt sind, muss man ein wenig aufpassen, dass der Bandsound aufgrund vieler, zum Teil auch verschiedener und nicht zueinander passender Töne zu verwaschen und unklar wird. Probleme können sowohl rhythmisch, als auch klanglich entstehen.

Rhythmisch entstehen sie meist, wenn sich verschiedene Rhythmen überlagern, die nicht aufeinander abgestimmt sind, oder einfach zu viel rhythmische Information von einem oder beiden Harmonieinstrumenten kommt.

Klangliche Probleme entstehen meist bei der Interpretation von Akkordsymbolen. Ein C7-Klang kann von einem Instrument als C7 #11,#9 mit den Tönen C, E, G, Bb, D#, F# interpretiert werden. Ein anderer könnte den gleichen Akkord mit Db (b9) und A (13) erweitern. Erklingen diese Töne dann gleichzeitig, weil beide auf die gleiche Zählzeit spielen, wird der Sound sehr undurchsichtig. Je nachdem, wie die Stimmführung zu den Tönen hin und weiter zu den nächsten ist, kann das akustische Chaos noch größer werden. Zugegebenermaßen ist das vielleicht ein extremes Beispiel, es verdeutlicht jedoch das grundsätzliche Problem.

Das wichtigste ist daher: Zuhören, realisieren, was in der Band passiert, und das eigene Spiel daraufhin anpassen.

Im Zweifelsfall ist es immer eine gute Idee, auch einmal nicht zu spielen und zuzuhören, was gerade passiert. Das bringt uns auch gleich zu dem ersten Lösungsansatz für das Problem.

  • Manchmal ist die einfachste Lösung auch die beste. Am einfachsten ist es natürlich, wenn ein Solist nur von Klavier oder Gitarre begleitet wird. Dabei kommen sich die Harmonieinstrumente nicht in die Quere und die Klangfarbe des Akkordinstrumentes wechselt, wenn ein anderes Instrument den nächsten Solisten begleitet. Beim Solo von Akkordinstrumenten gilt oft: Pianisten möchten sich in der Regel selbst begleiten. Bei Gitarristen ist es sehr unterschiedlich. Hier können ein kurzer fragender Blick während des Spiels oder eine kurze Frage vor dem Beginn des Stücks sehr hilfreich sein.
  • Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass ein Instrument die Begleitfunktion mit Akkorden und das andere eher eine Bläserfunktion übernimmt und mit Single Note Lines kleine einstimmige (Gegen-)Melodien oder Guide Tone Lines[1] spielt.

  • Es gibt auch die Möglichkeit, die Akkorde, Voicings und deren rhythmische Platzierung genau abzusprechen. In der Praxis findet sich diese Möglichkeit vor allem in ausgeschriebenen Arrangements während der Themen oder ausgeschriebenen Melodien. Für das Begleiten von Solisten hat diese Methode den Nachteil, dass sie zu statisch ist und zu wenig Möglichkeiten gibt, auf das improvisierte Solo einzugehen, den Solisten zu unterstützen und mit ihm zu interagieren.

Wenn beide Harmonieinstrumente gleichzeitig den Solisten begleiten wollen, ohne vorher große Absprachen zu treffen, gilt im Jazz oft die Regel, dass die Gitarre die Rhythmusfunktion übernimmt und das Klavier sich freier bewegt. Wie das konkret aussehen kann, sieht man exemplarisch an den folgenden Beispielen

Ahmad Jamal – New Rhumba

Eine einfache und elegante Weise der Begleitung wählt gelegentlich der Gitarrist Ray Crawford im Ahmad Jamal Trio, indem er die Gitarre rein rhythmisch einsetzt. Beispielsweise auf dem Album Ahmad Jamal Plays bei „New Rhumba“ ab 2:45.

Freddie Green Style – April In Paris.

Freddie Green war der Gitarrist der Count Basie Bigband. Er hat das Begleiten im Swing auf der Gitarre perfektioniert. Vereinfacht kann man sagen, dass er einen sehr akzentuierten Viertelrhythmus auf der Gitarre spielt. Die Voicings bestanden oft nur aus zwei Tönen, die er auf der D- und G-Saite spielte und sie bestanden oft nur aus der Terz und der Septime des Akkordes. Ein interessantes Video hierzu gibt es auf YouTube von James Chirillo.

Diesen Viertelpuls kann man beispielsweise sehr schön bei „April in Paris“ auf dem gleichnamigen Album hören. Bei dieser Aufnahme spielt Green eine rhythmisierte Guide Tone Lines. Wer tiefer in die Gitarrenwelt von Freddie Green einsteigen möchte, dem sei die Webseite http://www.freddiegreen.org/ empfohlen. Dort gibt es auch Transkriptionen von „April in Paris“ von Michael Pettersen  und Albert Romani

Single Note Linien und Riffs

Single Note Linien können von Klavier oder Gitarre übernommen werden.

Ein Beispiel, wenn das Klavier die Single Note Linien übernimmt, findet sich beispielsweise bei „Wave“ von A.C. Jobim ab 0:35 auf dem gleichnamigen Album.

Ein Beispiel für Riffs findet sich bei der Gitarrenbegleitung von Wes Montgomery

bei „No Blues“ auf dem Album Smokin’ At The Halfnote


[1] Näheres zum Thema Guide Tone Lines folgt 🙂

Du willst nichts mehr verpassen und bei der Expansion des Jazziversums mit dabei sein? Dann trage dich hier in den Newsletter ein.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.