5 Fragen an Max Frankl

5 Fragen an Max Frankl

Foto by: Marcus Sasseville

Neben seiner Gitarren Online Akademie ist Max Frankl auch seit vielen Jahren als Jazzgitarrist tätig. Heute scheint die Single „72 Orchard Street“ aus seinem gleichnamigen Album. Eine gute Gelegenheit um 5 Fragen an ihn zu stellen

Was bedeutet für dich Jazz? (und wo sind die Grenzen)

An Jazz liebe ich die harmonische Flexibilität, den Reichtum der Melodien, die ganz unterschiedlichen Möglichkeiten, eine Band klingen zu lassen. Ich ziehe Inspiration aus allen Genres und Stilen, trotzdem waren für mich Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker immer besonders interessant. Mir fallen Gitarristen wie Pat Metheny, John Scofield, Kurt Rosenwinkel oder Wolfgang Muthspiel ein. Wie alle, und natürlich auch sehr, sehr viele Andere, haben sie eine Sache gemeinsam: Sie spielen sich selbst. Sie drücken aus, was nur sie ausdrücken können. Die Grenzen von Jazz sind für mich weniger in der Musik als in der Vorstellung, was man innerhalb der Szene als Weg, als mögliche Laufbahn sieht. Man würde man erwarten, dass die Protagonisten und Protagonisten dieser offenen und freien Kunstform viele verschiedene Ansätze interessant finden. Meiner Erfahrung nach stimmt das nur zum Teil. Oft herrschen klare Vorstellungen, was angesagt ist. Eines meiner Ziele ist es, die Karriere eines Jazzmusikers oder einer Jazzmusikerin dahingehend neu zu definieren, denn: Ich habe mich oft gefragt, wie mein Leben als Musiker aussehen könnte. Neben dem Komponieren und Spielen von Musik habe ich viele weitere Interessen, die ich in meiner Karriere einbringe. Ich wünsche mir, dass das Bild, was ein Musiker oder eine Musikerin in Ihrer Laufbahn umsetzen kann, breiter wird.

Du betreibst seit 2016 mit der Max Frankl Academy eine Online-Gitarren-Community zum Jazzgitarre lernen. Was sind für dich die Vorteile von Online- Unterricht?  

Ich war immer inspiriert davon, meinen Schülerinnen und Schülern beizubringen, was ich gelernt hatte. Als Jugendlicher hatte ich viele verschiedene Lehrer, weil ich in der ganzen Bundesrepublik Einzelunterricht genommen hatte und unbedingt wissen wollte, wie ich Jazzgitarrist werden kann. Ich wollte dann weitergeben, was ich gelernt hatte. Da gab es aber ein Problem: Weilheim bei München ist der Ort, an dem meine Eltern noch heute leben und wo ich herkomme. New York ist die Stadt, in der ich die größte Inspiration für meine Karriere als Musiker finde. Zürich ist mein Lebensmittelpunkt seit mehr als 12 Jahren. Die Digitalisierung war für diese Situation der größte Segen: Ich kann von überall aus arbeiten. Eine meiner größten Leidenschaften ist, mich zu fragen, wie ich Dinge neu tun kann. So war meine Reaktion auf die zunehmende Digitalisierung keine von Zurückweisung , sondern ein bewusstes Fragen danach, was möglich ist unter den neuen Gegebenheiten. Was ich an meiner Academy liebe ist, dass ich mit Menschen von überall her verbunden bin, Ihnen zeigen kann, was ich weiß und, dass ich meinen Unterricht überall auf der Welt halten kann. Mich inspirieren die unendlichen Möglichkeiten und ich arbeite mit Begeisterung an digitalen Inhalten.

Was macht guten Unterricht für dich aus?

Guter Unterricht beginnt für mich immer mit der Beziehung zwischen der Lehrperson und der Schülerin oder dem Schüler. Er ist im Optimalfall immer individuell angepasst und zeigt auf eine pädagogisch hochwertige Art und Weise, wie man lernt und und er motiviert. Das ständige Weitergehen auf einem Weg des Dazulernens, auf den sich die Lehrpersonen und die Schülerin oder der Schüler machen, ist es, was ich an gutem Unterricht schätze.

Du hast gerade die Single „72 Orchard Street“ aus deinem neuen gleichnamigen Album veröffentlicht. Das Album ist sehr von deinem längeren New York Aufenthalt beeinflusst. Was hat dich dort am meisten beeindruckt und weitergebracht?

New York ist für mich eine pulsierende Stadt, ein Ort, der mich immer inspiriert hat. In dieser brodelnden Atmosphäre habe ich die innere Ruhe gefunden, die mir in Städten wie München oder Zürich verwehrt geblieben ist. New York hat mich aufgerüttelt, New York hat mich inspiriert, New York hat mich vor Herausforderungen gestellt, die ich mir in meinen kühnsten Träumen nie habe vorstellen können. Ich bin der Stadt dankbar für die vielen Dinge, die ich dort bekommen und gelernt habe und sie ist zu einem Ort geworden, an dem ich mich zu Hause fühle. Ohne New York gäbe es weder meine Academy, mein neues Album 72 Orchard Street, noch den Max Frankl, wie er jetzt ist.

72 Orchard Street ist ein Album, dass  groovt und fließt. Unter dieser Oberfläche lassen sich komplexe Strukturen finden. Wie wichtig ist dir ein emotionaler und/oder analytischer Prozess beim Schreiben und Proben der Stücke?

Meine Komposition entstehen immer aus Gefühlen, die ich habe, wenn ich ein neues musikalisches Feld entdecke. Ich lasse mich davon leiten, was mich inspiriert und wo ich spüre, dass das Musik ist, die ich noch nie so gespielt oder komponiert habe. Der Prozess kann sowohl emotional als auch analytisch sein und oft ist es eine Mischung aus beidem. Mir ist wichtig, dass ich nur aufschreibe, was mich wirklich, wirklich begeistert und inspiriert. Das Proben der Komposition war eine große Freude, weil meine großartigen Kollegen in jeder Sekunde die Musik nach vorne gebracht haben und wir gemeinsam einen Sound erzeugt haben, der mich glücklich macht und mir entspricht. Das wünsche ich auch den Hörerinnen und Hörern dieses Albums.

Webseite von Max Fankl: https://maxfrankl.com/

Webseite der Max Frankl Academy https://maxfranklacademy.com/

 

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