5 Fragen an Dieter Ilg

5 Fragen an Dieter Ilg

Foto: Margrit Müller

Dieter Ilg Zählt seit vielen Jahren zu den renommiertesten Jazzbassisten Deutschlands. Dabei gilt sein Augenmerk auch immer Kompositionen der sogenannten klassischen Musik. Vor kurzem veröffentlichte er sein neues Soloalbum Dedication Auf dem er einen großen Bogen von Kompositionen klassischer Komponisten über Jazzkompositionen bis hin zu eigenen Stücken spannt.

Was macht für dich Interessanten aktuellen Jazz aus?

Das ist letztendlich subjektiv. Abhängig von der Definition. Ich bewerte am liebsten nicht Stilrichtungen, die einmal en vogue sind, ein anderes Mal nicht. Eher bewerte ich Gehörtes ob es mir gefällt, sowohl was den Künstler als auch was das Material der Ausgestaltung betrifft.

Hast du beim Improvisieren Bilder oder Narrative vor deinem inneren Auge?(oder etwas   anderes)

Mein einziges Narrativ ist, anderen und mir zuzuhören. Wenn ich alleine und mit anderen zusammen musiziere, anderen und mir, und wenn ich alleine musiziere, mir.

Es ist gleichzeitig auch Lust und innerer Auftrag, mit meinem Kontrabass zu spielen, mich handwerklich auszudrücken und etwas zu erschaffen. 

Du spielst oft klassisches Repertoire in einem Jazz-Kontext. Wo sind für die Gemeinsamkeiten und unterschiede von Klassik und Jazz?

Repertoire ist gemäß dessen gespielt und weitergegeben worden, wessen die Menschheitsgeschichte an Lebensvoraussetzungen bot und weiterentwickelte. Z.B. von der Flöte auf Tierknochen bis zum kleinen Digitalmaschinchen unserer Zeit gab es nahezu unendliche Zwischenepisoden.

Ich greife gerne auf Komponisten der Vergangenheit zurück, die dem aus unserer Sicht sogenannten klassischen Kontext entsprechen, in ihrer Zeit allerdings als modern oder sogar „des Teufels“ galten. Um „auf Teufel komm raus“, geht es bei mir nicht primär. Gleichsam wissen wir z.B. um der improvisierenden Herangehensweise von Ludwig van Beethoven als Pianist, der so die Sage bei jedem seiner konzertanten Aufspielungen sich um weitere Varianten seiner eigenen Kompositionen kümmerte. Lustvolles Improvisieren war also schon immer. Klassik oder Jazz, jede Stilrichtung hat seine eigenen Regeln, die sich auch ständig änderten, ergänzten und auflösten. In vielen Momenten ist Klassik eher oft die Interpretation von Notiertem und Jazz eher oft die Interpretation von Unnotiertem. Aber selbst das spiegelt die Wirklichkeit nur annäherungsweise wider.

Die Stücke auf deinem Neuen Album Dedication hast du recht spontan ausgewählt. Ist Improvisation für dich eine Lebensauffassung oder ein musikalisches Konzept?

Beides, ich entscheide gerne selbst, wenn ich es für entsprechend richtig und wichtig halte, in einem bestimmten Moment, und gleichzeitig kann ich andere entscheiden lassen oder mir ein musikalisches Konzept ausdenken bzw. erarbeiten. So eine Entscheidungsfindung kann nur eine Millisekunde oder auch eine ganze Ewigkeit dauern.

Einige Stücke von Dedication sind auch großen Ideen und Themen gewidmet. Ist Musik mehr als das was Eduard Hanslick einst als „Tönend bewegte Formen“ bezeichnete?

Musik ist Leben aus der Bewegung. Also „Bewegte Töne formend“. Wie ich das, was dann passiert, bezeichne, betitele oder interpretiere, obliegt der Subjektivität eines bewegten Bassisten aus der badischen Tiefebene.

Hier geht es zur Webseite von Dieter Ilg



https://dieterilg.de/

 

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